Breitscheidplatz 2025: Sicherheitslücken bleiben bestehen
Faktenlage 2025
- Fehlende Umsetzung des Zufahrtsschutzkonzept: Die Aufstellung nahezu aller Sperren entspricht nicht den anerkannten Regeln der Technik.
- Betonlegos als trügerische Sicherheit: Die großen Betonklötze sind nicht nur wirkungslos gegen Fahrzeugangriffe, sondern können selbst zur Gefahr werden.
- Spurtrenner ohne Schutzfunktion: Kleine Betontrenner dienen lediglich der Verkehrsführung – sie bieten keinerlei Sperrfunktion.
- Polizeigittern statt Barrieren: Große Lücken im Süden wurden mit Gittern geschlossen, die keinen Zufahrtsschutz gewährleisten.
- Offene Flanke im Süden: Die Anordnung der Betonklötze lässt eine einfache Umfahrung zu – diese Seite ist praktisch offen.

Hintergrund: Der Anschlag und seine Folgen
Der Breitscheidplatz in Berlin ist ein zentraler Ort, der seit dem Terroranschlag vom 19. Dezember 2016 immer wieder in den Fokus der Sicherheitsdiskussion gerät. Der Angriff, bei dem ein Lkw in einen Weihnachtsmarkt raste, forderte zwölf Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Im Anschluss wurde rasch erkannt, dass der Platz und ähnliche öffentliche Räume besser gegen Angriffe mit Fahrzeugen geschützt werden müssen. Neun Jahre nach dem Anschlag ist der Platz nun wieder unzureichend geschützt.

Vom Weihnachtsmarkt 2018/19 bis zum vergangenen Jahr galt der Breitscheidplatz als der am besten gesicherte Markt in Berlin. Trotz kleinerer Mängel in der Vergangenheit war er besser geschützt als heute und im Vergleich zu anderen Berliner Märkten.
Bislang jedoch fehlt eine dauerhafte Absicherung durch optisch ansprechende, fest installierte Sperrmittel. Ihre Umsetzung scheiterte bisher an endlosen Diskussionen, finanziellen Fragen oder anderen Hindernissen.
Erste Maßnahmen und Konzepte
Anfangs wurden einfache Betonklötze als provisorische Barrieren aufgestellt, doch schnell zeigte sich, dass diese Lösung nicht ausreichte. Der Sicherheitsbedarf führte zu einem umfassenden Konzept, das 2018 vom Experten Christian Schneider entwickelt wurde. Dieses Zufahrtschutzkonzept hatte zum Ziel, den Breitscheidplatz sicherer zu machen und der Gefahr von Terroranschlägen durch Fahrzeugattacken entgegenzuwirken.
- 2018 folgte eine Ausschreibung für professionelle temporäre Barrieren, diese wurden für den Weihnachtsmarkt 2018/19 erstmals aufgebaut
- Unsachgemäße Handhabung und mangelnde Wartung führte im Laufe der Jahre dazu, dass viele Poller beschädigt wurden – der Schutzstandard sank deutlich
- Bereits im Jahr 2018 wurden erste Konzepte zur dauerhaften Absicherung des Platzes mit fest installierten Pollern usw. entwickelt, jedoch bis heute nicht umgesetzt
Quelle: MDR-Umschau, Bericht über Betonsperren, 11.04.2017

Kontext: Breitscheidplatz und Magdeburg
Der Zustand erinnert fatal an die Situation in Magdeburg, wo im Dezember 2024 ein Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verübt wurde. Dort kritisierte Schneider, dass die Zufahrtssperren nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprachen. Die Anschläge von Berlin 2016 und Magdeburg 2024 zeigen: Sicherheit öffentlicher Räume ist ein fortlaufender Prozess. Die Parallele zeigt: Unzureichende oder falsch eingesetzte Barrieren können tödliche Folgen haben. Es ist, als würde man ein Haus mit minderwertigen Schlössern sichern: Sie schrecken niemanden ab und bieten keinen wirksamen Schutz. Polizei und Feuerwehr können im Ernstfall unterstützen, sind aber keine dauerhafte Sperre. Die notwendigen Reparaturen in Höhe von ca. 50.000 Euro wurden trotz der geringen Kosten nicht durchgeführt.
Link: https://fb.watch/DB8iP-049u/
Quelle: SecuGround LKW 7,5 t mit 43 km/h vs. Kleinbus VW T5

Blick nach vorn: Neue Pläne ab 2026
Laut einem aktuellen plant das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ab Sommer 2026 die Entfernung der bisherigen Sperrelemente. Statt martialischer Poller sollen bauliche Lösungen und kleinere Stahl-Poller mit Betonkernen installiert werden. Dass die Maßnahmen bereits bis zum Sommer abgeschlossen sein sollen, erscheint unrealistisch. Nach aktuellem Stand soll Anfang des Jahres die Ausschreibung erfolgen.
- Südlicher Platzrand: Reihe kleinerer Poller (40–50 cm Durchmesser).
- Mittelstreifen zwischen Ku’damm und Tauentzienstraße: bauliche Verstärkung zur Schließung einer gefährlichen Lücke.
- Budapester Straße: Teilweise Sperrung bleibt für mindestens drei Jahre bestehen.
- Sanierung der Gedächtniskirche bietet „Modellversuch“ für neue Verkehrsführung.
Fazit
Um einen wirksamen Schutz vor Terroranschlägen zu gewährleisten, ist es entscheidend, dass Berlin die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen professionell umsetzt und pflegt. Investitionen in eine dauerhafte Lösung müssen eine hohe Priorität haben – nicht nur für den Breitscheidplatz, sondern für alle öffentlichen Orte, die einem hohen Sicherheitsrisiko ausgesetzt sind. Politische und finanzielle Diskussionen dürfen nicht länger Vorrang vor dem Schutz der Menschen haben.







