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22 Jahre, 22 Schicksale: Gedenken an den NSU-Anschlag auf der Keupstraße

VoT Germany-Plakat mit der Aufschrift „9.6.2004 Terroranschlag auf die Keupstr.“ und dem Zusatz „Danach: Ermittlungsterror gegen …“. Das Motiv erinnert an den Nagelbombenanschlag des NSU in der Keupstraße in Köln und thematisiert die anschließende diskriminierende Ermittlungsphase gegen die Betroffenen.

📍Ort: Köln, 9. Juni 2026

Die Zahl 22 trägt bis heute eine schmerzhafte Symbolik: 22 Menschen wurden an jenem 9. Juni 2004 durch die mit 800 Zimmermannsnägeln bestückte NSU-Bombe verletzt, vier von ihnen lebensgefährlich. Dass niemand getötet wurde, grenzt an ein Wunder. Doch die seelischen und sozialen Narben im Viertel blieben – verstärkt durch jahrelange falsche Verdächtigungen der Ermittlungsbehörden. Viele Geschäftsleute gaben damals auf oder zogen bereits weg. Heute blicken wir zurück – nicht nur in Trauer, sondern auch mit einem klaren Blick auf das, was erreicht wurde und was noch tun ist.

VoT Germany-Gedenken-Gedenkbeitrag zum 22. Jahrestag des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße mit Erinnerung an die Opfer.

Der Artikel beschreibt, wie Muhammet Ayazgün den Moment des Anschlags erlebte. Er befand sich mit zwei Freunden direkt gegenüber dem Tatort und beobachtete, wie der Täter das Fahrrad mit dem Sprengsatz abstellte. Kurz darauf detonierte die Bombe, die sein Trommelfell verletzte und die Straße in ein Trümmerfeld verwandelte.

„Zehn Zentimeter lange Nägel flogen durch die Luft.“ 


VoT Germany-Logo der Initiative „Keupstraße ist überall“ – Symbol für Solidarität mit den Betroffenen des Anschlags.

Foto: Logo der Initiative Keupstraße

Ein lebendiger Erinnerungsort gegen das Vergessen

Aus der Betroffenheit ist über die Jahre hinweg eine kraftvolle Bewegung entstanden. Die Initiative Keupstraße versteht sich heute nicht mehr nur als reines Aktivisten-Bündnis. Die Eröffnung fand am 7. Juni 2024 in den Räumen des ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museums am Kölner Ubierring statt. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der Initiative und den Lehrern und Schülern der IGIS – Integrierte Gesamtschule Innenstadt. Dank freigewordener Fördermittel wandelt sich die Initiative zu einem lebendigen Erinnerungsort und einer wertvollen historischen Sammlung.

Besonders eindringlich: Dieser außerschulische Lernort befindet sich im ersten Stock genau des Gebäudes, von dem aus die Täter damals gefilmt wurden. Er dient heute als mahnendes Beispiel dafür, was Stadt und Staat bei der Aufklärung und dem Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund falsch gemacht haben. 

  • Großes Interesse: Bereits über 2.000 Schüler haben die Ausstellung besucht.

  • Wichtige Bildungsarbeit: Das Bildungsmotto steht im Fokus

  • Zukunft sichern: Junge Generationen werden gezielt ausgebildet, um Führungen zu leiten und den Ort des Erinnerns aufrechtzuerhalten.

  • Systemischer Wandel: Die Initiative teilt ihre Expertise mittlerweile als Lernort für die Polizeiarbeit in NRW, um strukturelle Probleme in den Behörden sensibel zu machen.

  • VoT Germany-Filmvorführung zum Anschlag auf die Keupstraße – Erinnerung und Aufklärung

  • VoT Germany-Grüne Jugend NRW – Arbeit mit Betroffenen direkt bei der Jugend

Fotos: Schüler bei der Filmvorführung zum Nagelbombenanschlag , Initiative Keupstraße

Die Initiative Keupstraße war in Xanten – eingeladen von der Grüne Jugend NRW – und haben gemeinsam mit NSU-Betroffenen über den NSU-Komplex gesprochen. Über Schmerz. Über Versagen. Über Verantwortung.


„Was dort passiert ist, war mehr als ein Workshop.
Es war ein ehrlicher Raum. Für Fragen, die oft zu lange unbeantwortet bleiben. Für Perspektiven, die zu selten gehört werden.

Gerade junge Menschen wollen verstehen. Wollen einordnen. Wollen Haltung entwickeln. Was dort passiert ist, war mehr als ein Workshop. Es war ein ehrlicher Raum. Für Fragen, die oft zu lange unbeantwortet bleiben. Für Perspektiven, die zu selten gehört werden.“


VoT Germany-Plakat mit verstreuten Nägeln und der Aufschrift „Erinnern heißt Verändern! Von der Nagelbombe bis zum Mahnmal“. Symbolisches Design zur Erinnerung an den NSU‑Anschlag in der Keupstraße und die Forderung nach Veränderung durch Erinnerung.

Foto: Plakat zur Ausstellung, Initiative Keupstraße

Digitales Gedenken: Wenn das physische Denkmal fehlt

Obwohl 22 Jahre vergangen sind, steht auf der Keupstraße noch immer kein dauerhaftes, physisches Denkmal. Das sorgt bei den Betroffenen für verständlichen Frust und tiefe Trauer. Umso wichtiger ist das digitale Gedenken, das die Perspektiven der Betroffenen kompromisslos in das Zentrum rückt.

In dieser Woche schaut ganz Deutschland auf Köln: Der Antidiskriminierungsverband Deutschland reist an, und am Mittwoch dreht die ARD gemeinsam mit einer Historikerin (von der Universität Bielefeld) für eine umfassende Rezension und Dokumentation.

Für authentische Einblicke und emotionale Interviews mit den Überlebenden und Anwohnern besuchen Sie die Plattform mahnmal-keupstrasse.de. Weitere Informationen zur fortlaufenden Arbeit finden Sie außerdem unter keupstrasse-ist-ueberall.de.

VoT Germany-Muhammet Ayazgün, Betroffener des NSU‑Anschlags, steht vor einem großen Banner mit der Aufschrift „Wo bleibt das Mahnmal?“ und spricht über die jahrelange Verzögerung des Gedenkprojekts in der Keupstraße. Eine Filmcrew nimmt das Interview auf.

Foto: Muhammet Ayazgün – „Wo bleibt das Mahnmal?“ , Initiative Keupstraße

VoT Germany-Hände verschiedener Personen liegen übereinander als Zeichen der Zusammenarbeit. Daneben sind die Logos von VoT Germany e. V. und der Initiative „Keupstraße ist überall“ zu sehen. Der Text lautet: „Unser Kooperationspartner – Danke für die Partnerschaft!“ und verweist auf die gemeinsame Arbeit für Solidarität und Erinnerung.

Initiative Herkesin Meydanı: Die Gedenkkundgebung auf dem „Platz für alle“

Parallel dazu mobilisiert die Initiative Herkesin Meydanı (Platz für alle) gemeinsam mit Vereinen und Betroffenen die Öffentlichkeit auf der Straße. Für sie ist der Jahrestag ein unüberhörbarer Appell an die Gesellschaft.


VoT Germany-Plakat zur Gedenkkundgebung am Jahrestag des rassistischen Nagelbombenanschlags in der Keupstraße, mit den Worten „Erinnerung. Aufklärung. Gerechtigkeit. Konsequenzen!“ und Veranstaltungsdetails.

Unter den zentralen Kernforderungen ERINNERUNG • AUFKLÄRUNG • GERECHTIGKEIT • KONSEQUENZEN wird heute Abend zur großen Gedenkkundgebung inklusive einer Schweigeminute für die Opfer eingeladen.


  • Wann: Dienstag, 09.06.2026 um 18:00 Uhr

  • Wo: Herkesin Meydanı — Platz für alle, Köln

  • Mehr Infos im Web: herkesinmeydani.org


VoT Germany-CTA-Fünf weiße Tastenkappen liegen auf grauem Hintergrund und bilden das Wort „EMAIL“. Das Bild steht symbolisch für digitale Kommunikation und Kontaktaufnahme per E‑Mail.

Foto: Symbolfoto, Unsplash

Haben Sie den Anschlag 2004 miterlebt? Sind Sie Anwohner, Überlebender oder haben die schweren Jahre danach im Viertel verbracht?

Die Aufarbeitung der Keupstraße ist ein fortlaufender Prozess. Bei regelmäßigen Treffen kommen Betroffene zusammen, um zu reden und Erlebtes zu verarbeiten. Um diesen Lernort weiter lebendig zu halten, werden dringend weitere Stimmen gesucht.

Helfen Sie mit, dass die Fehler der Vergangenheit nicht vergessen werden und die junge Generation aus der Geschichte lernen kann. Jede Perspektive zählt.

Jetzt Kontakt aufnehmen und als Zeitzeuge melden:

info@vot-germany.org

Betreff: Zeitzeuge Nagelbombenanschlag


VoT Germany-Gedenken-

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts.

Søren Kierkegaard
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Zum 7. Todestag von Walter Lübcke

📍Ort: Wolfhagen‑Istha

Zum 7. Todestag besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz gemeinsam mit Angehörigen das Grab von Walter Lübcke. Der Austausch mit der Familie stand im Mittelpunkt des Besuchs.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa‑Meldung vom 1. Juni

„Walter Lübcke war ein liebevoller Ehemann und Familienvater, ein überzeugter Christdemokrat und ein über Parteigrenzen geschätzter Politiker.“

— Friedrich Merz am Grab von Walter Lübcke

Walter Lübcke verlor am 2. Juni 2019 auf tragische Weise sein Leben. Zwischen 23:20 und 23:30 Uhr wurde er auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen‑Istha angeschossen. Sein jüngerer Sohn fand ihn wenig später leblos; trotz aller Bemühungen konnte die Kreisklinik Wolfhagen in der Nacht nur noch seinen Tod feststellen.

Walter Lübcke war viele Jahre politisch tätig: Von 1999 bis 2009 gehörte er dem Hessischen Landtag an, anschließend war er von 2009 bis 2019 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel. Der Täter gestand die Tat nach seiner Festnahme; das Gericht verurteilte ihn am 28. Januar 2021 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

VoT Germany-Ausstellungsvitrine mit Porträt von Walter Lübcke und der Aufschrift „Demokratische Werte sind unsterblich“, flankiert von EU‑ und Hessen‑Flagge.

Foto: Ausstellungsvitrine im Hessischen Landtag, VoT Germany

Gedenkvitrine im Hessischen Landtag

Die Gedenkvitrine aus der Dauerausstellung im Hessischen Landtag erinnert an Walter Lübcke und an das, was ihn als Mensch ausmachte. Die Vitrine zeigt ein grafisch gestaltetes Porträt, seine charakteristischen Pfeifen, die Flaggen der Europäischen Union und des Landes Hessen sowie sein Tablet. Sie bewahrt persönliche Spuren und hält seine Verbundenheit mit den Menschen sichtbar.

Walter Lübcke war jemand, der Nähe schuf, der Gespräche suchte und der sich mit Herz und Überzeugung für andere einsetzte. Seine Warmherzigkeit, seine Bodenständigkeit und seine Zugewandtheit bleiben unvergessen.

In Gedanken sind wir besonders bei seiner Familie, die einen geliebten Ehemann, Vater und Angehörigen verloren hat. Wir erinnern an ihn mit Respekt, Dankbarkeit und dem Gefühl, dass sein Platz in vielen Herzen bleibt.

VoT Germany-Gedenkbereich für Walter Lübcke
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VoT Germany-Together‑Stronger‑Tour T‑Shirt

📍Ort: Belgien

Unser Highlight in jedem Jahr

In diesem Jahr ist die Tour in die legendäre Flandern‑Rundfahrt eingebunden. Am 5. April 2026 verwandelt sich ganz Belgien in ein einziges, lebendiges Straßenfest. Hunderttausende Menschen säumen die Strecke, feiern den Radsport und die besondere Kraft, die entsteht, wenn eine ganze Region zusammen hinter diesem Monument des Sports steht. VoT Germany ist wieder mit dabei!

VoT Germany-Gruppenfoto der Together‑Stronger‑Tour mit internationalen Teilnehmern

Foto: Gemeinschaft der Together Stronger Tour

Das Herzstück: Die Menschen hinter Together Stronger

Alles begann mit einer einfachen Idee: Schmerz in Stärke zu verwandeln. 

Kurz nach dem musikalischen Moment während der 5. Gedenkfeier des Brüsseler Anschlags gründete V-Europe die Initiative Together ❤️ Stronger

Ihr Ziel: Vereinigungen von Terrorismusbetroffenen in Europa zusammenzuführen und gemeinsam Wege der Resilienz sichtbar zu machen. Das Herz von Together ❤️ Stronger sind die Menschen, die diese Bewegung tragen: Betroffene, Angehörige, Ersthelfer, Unterstützer, Spender, Freiwillige und Sportler. Jeder einzelne von ihnen ist ein tragender Pfeiler unserer Mission für Opfer von Terrorismus.

Es ist das Herz, das uns antreibt. Ohne Herz verliert eine Gesellschaft ihre Menschlichkeit – und genau deshalb stehen wir zusammen. Es ist ein Kraftakt, aber schön! VoT Germany ist wieder mit am Start: seit Beginn sind wir Teil dieser internationalen Gemeinschaft und stehen zusammen, fördern und fordern uns. Keiner bleibt auf der Strecke, keiner bleibt allein. 

VoT Germany-

Foto: Plakat der tother stronger Tour 2026

Einheitliche Kraft, die Berge versetzen kann

Gemeinsam beschlossen wir, sportliche Herausforderungen anzunehmen, um Bewusstsein zu schaffen und wichtige Mittel für die Unterstützung von Betroffenen zu sammeln. Unsere Erstbesteigungen – der Mont Ventoux und die Alpe d’Huez – zeigten eindrucksvoll, dass Einheit eine Kraft ist, die Berge versetzen kann.

Link: Startfilm zur 6. Together‑Stronger‑Tour

Gemeinschaft, die trägt und Mut schenkt

Wir bilden eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig stärkt, auffängt und ermutigt. Wir tun alles, um die Stimmen der Opfer hörbar zu machen und ihnen auf ihrem Weg zu neuer Stabilität zur Seite zu stehen. Wir glauben fest daran, dass jede Handlung zählt und jeder Mensch einen Unterschied machen kann.

Durch unsere Zusammenarbeit mit Together Stronger, VoT Germany und vielen anderen Organisationen weltweit konnten wir das Bewusstsein von Tausenden Menschen in Europa und darüber hinaus stärken. Wir haben dazu beigetragen, dass der Kampf gegen Terrorismus und seine Folgen zunehmend als globale Verantwortung verstanden wird – eine Aufgabe, die nur durch internationale Zusammenarbeit, Empathie und konsequente Sichtbarkeit der Betroffenen getragen werden kann.

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Mit Dankbarkeit und Mut nach Belgien

Wir sind dankbar und stolz, wieder Teil der Together Stronger‑Familie sein zu dürfen. Wir senden Kraft, Mut und unsere volle Unterstützung zur Tour de Flandern nach Belgien.

VoT Germany-together Stronger community

„Es ist schwer zu verstehen, dass die Konsequenzen lebenslang sind.“

Aristide Melissas, Initiator von together stronger (rechts im Bild)
VoT Germany-zusammen bei der togehter stronger tour VoT Germany-
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VoT Germany-Gedenkgrafik zum 10. Jahrestag der Anschläge von Brüssel mit Herz in belgischen Farben und Hinweis auf V-Europe

📍Ort: Brüssel

Zehn Jahre Brüssel: Die Folgen enden nicht mit dem Anschlag

Am Sonntagmorgen begannen die offiziellen Gedenkfeiern genau zu dem Zeitpunkt, an dem vor zehn Jahren die drei Attentäter ihre Sprengsätze zündeten – zwei am Flughafen und einer in einer überfüllten U‑Bahn. Das Programm wurde von der Brussels Airport Company, der STIB und dem FÖD Kanzlei des Premierministers in enger Abstimmung mit den Opferverbänden Life for Brussels und V‑Europe entwickelt.

Bei der Gedenkfeier sprach König Philippe vor den zahlreichen Menschen, die sich am Denkmal für die Opfer versammelt hatten. Gemeinsam mit Königin Mathilde und Premierminister Bart De Wever hörte er den Überlebenden zu, die von den erschütternden Momenten jenes Morgens berichteten.

Ein Jahrzehnt nach den Anschlägen von Brüssel wird sichtbar, wie viele Menschen noch immer unter den unsichtbaren Wunden leiden. Einige Opfer wurden erst Jahre später als solche anerkannt – zu spät, um ihnen zu helfen. Die jüngsten Entwicklungen machen deutlich, dass Opferrechte in Europa weiterhin unzureichend geschützt sind. 

VoT Germany-Gedenkzeremonie am Denkmal für die Opfer von Terrorismus in Brüssel zum 10. Jahrestag der Anschläge

Foto: An der Gedenkstelle für Opfer von Terrorismus in Brüssel, V-Europe

VoT Germany-Philippe Vansteenkiste, Direktor von V‑Europe, spricht bei der Gedenkzeremonie am Mahnmal für die Opfer von Terrorismus in Brüssel

Foto: Philippe Vansteenkiste (Direktor von V‑Europe) spricht auf der Bühne am Mahnmal während der Gedenkzeremonie, V-Europe

Wenn Anerkennung zu spät kommt

Wie die Zeitung Le Monde berichtet, kämpfen einige Opfer noch immer darum, dass ihre körperlichen und psychischen Spätfolgen offiziell festgestellt werden – eine Voraussetzung für Entschädigungen und langfristige Unterstützung.

„Zehn Jahre nach den Angriffen beklagen einige Opfer, dass ihre körperlichen oder psychischen Nachwirkungen noch nicht erkannt werden konnten, was ihr Recht auf Entschädigung einschränkt. Neben den 32 direkten Todesfällen sind seit den Angriffen vier weitere Menschen gestorben, traumatisiert durch die Ereignisse. Katarina Viktorsson, deren Mutter am Flughafen getötet wurde, beging vor einigen Wochen Selbstmord und wurde am Sonntag als 36. Opfer dieser Anschläge von 2016 anerkannt.“

Video von der Gedenkzeremonie am Flughafengelände in Brüssel zum 10. Jahrestag der Anschläge. Zu sehen ist ein Chor, der an der Gedenktafel für die Opfer von Terrorismus singt, V-Europe

VoT Germany-König Philippe und Königin Mathilde sprechen während der Gedenkzeremonie zum 10. Jahrestag der Anschläge im Flughafen Brüssel mit Angehörigen und Überlebenden.

Foto: Gedenkbegegnung am Flughafen Brüssel – Königspaar im Gespräch mit Überlebenden und Angehörigen des Anschlags

Deutsche Perspektive auf die Anschläge von Brüssel

  • Lars Waetzmann verlor bei den Anschlägen in Brüssel seine Frau. Viele Jahre später sprach er im SWR‑„Nachtcafé“ offen darüber, wie er mit diesem Verlust lebt und welchen Weg er durch die Trauer gefunden hat. Seine Worte zeigen eindrücklich, wie tief die Folgen eines Terroranschlags in das Leben der Hinterbliebenen eingreifen. Die Sendung ist weiterhin öffentlich zugänglich.

  • 🔗 Direkter Hinweis zum Link

    Die Sendung heißt „Wie wir Hoffnung schöpfen“ (Erstausstrahlung: 29.03.2024). Lars Waetzmann ist dort als Gast eingeladen und spricht über seinen Weg durch die Trauer nach den Anschlägen in Brüssel.

VoT Germany-Lars Waetzmann, dessen Frau bei den Anschlägen in Brüssel 2016 ums Leben kam

Foto: Lars Waetzmann, , dessen Frau bei den Anschlägen in Brüssel 2016 ums Leben kam, VoT Germany


Europäische Vorgaben für den Opferschutz: Zusammenarbeit mit V‑Europe

Die Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre zeigen deutlich, wie dringend europaweit verbindliche Standards für die Anerkennung und Unterstützung von Terroropfern notwendig sind. Deshalb arbeiten wir eng mit unserer Partnerorganisation V-Europe in Belgien zusammen. In regelmäßigen Zusammenkünften in Brüssel setzen wir uns dafür ein, dass zukünftige Gesetzesänderungen auf europäischer Ebene klare Vorgaben enthalten, die in allen Mitgliedstaaten gelten müssen – damit Leid gelindert, Versorgungslücken geschlossen und langfristige Folgen für Betroffene so weit wie möglich minimiert werden.

  • Logo V-Europe

    v-europe

  • VoT-Germany-Logo

Seit 2016 bietet V-Europe kostenlose und unverbindliche Unterstützung für alle anerkannten Terrorismusopfer an, vorrangig für die Betroffenen auf belgischem Boden und im Ausland.


VoT Germany-Gedenkgrafik zum 10. Jahrestag der Brüsseler Anschläge mit Hinweis auf die deutsche Staatsbürgerin unter den Opfern
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VoT Germany-Deutschlandflagge in Schwarz‑Rot‑Gold als Symbolbild für den 5. Nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt von VoT Germany

📍Ort: Berlin

5. Gedenktag: Wichtige Berliner Wahrzeichen bleiben dunkel

Am 11. März begehen wir den 5. Nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt – ein Tag des Erinnerns, der Solidarität und der Anerkennung des Leids, das Betroffene und Hinterbliebene tragen. 

An diesem Tag werden bundesweit die obersten Bundesbehörden und ihre Geschäftsbereiche sowie die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, trauerbeflaggt.

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 Anordnung zur Trauerbeflaggung vom BMI, Protokoll Inland

Für wen ist der Nationale Gedenktag?

Der Nationale Gedenktag richtet sich an:

  • deutsche Betroffene von Terroranschlägen im Inland

  • deutsche Betroffene von Terroranschlägen im Ausland

  • ausländische Betroffene von Anschlägen in Deutschland

Allerdings zeigt sich in der Praxis noch immer, dass Einladungen Betroffene nicht erreichen – sei es, weil sie gar nicht zugestellt werden oder bestimmte Personengruppen erst gar keine Einladung erhalten.

  • VoT-Germany-Einladung Nationaler Gedenktag Opfer terroristischer Gewalt

  • VoT Germany-Programm Gedenkstunde Nationaler Gedenktag 2026

Fotos: Abbildung der Einladungskarte mit Programm zum 5. Nationalen Gedenktag


Der Nationale Gedenktag wird jedes Jahr an einem anderen Veranstaltungsort umgesetzt und der wachsenden Zahl der Betroffenen, Angehörigen und Überlebenden angepasst. Die stetig größer werdenden Räumlichkeiten machen sichtbar, wie viele Menschen in Deutschland von terroristischer Gewalt betroffen sind und wie sehr sie einen würdevollen Ort des Gedenkens benötigen. In diesem Jahr findet die Gedenkstunde in den Bolle‑Festsälen in Berlin‑Alt‑Moabit statt.

  • Bolle-Festsaele-Berlin-Entree-1-650×311@2x

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  • VoT Germany-bolle-festsaele-berlin-eventlocation-tagungen

Fotos: bolle eventlocation

Illuminierung des Brandenburger Tores

  • Im Vorfeld des Nationalen Gedenkens am 11. März hat VoT Germany angeregt, das Brandenburger Tor in den Nationalfarben zu illuminieren – unabhängig von der Halbmastbeflaggung. Die Initiative knüpft bewusst an die israelische Beflaggung vom 7. Oktober an, die ein starkes Zeichen der Solidarität gesetzt hat.

    Um den Vorschlag korrekt einzubringen, baten wir die Senatskanzlei um Auskunft, ob die Entscheidung über eine solche Illumination beim Regierenden Bürgermeister liegt oder an anderer Stelle innerhalb der Senatskanzlei getroffen wird.

  • Antwort der Senatskanzlei

    Die Senatskanzlei bedankt sich für unser Engagement und bestätigt den Eingang unserer Anregung. Nach interner Prüfung teilt sie jedoch mit, dass dem Anliegen nicht entsprochen werden kann.

    Begründung:

    • Der 11. März ist ein dauerhafter, jährlich wiederkehrender europäischer Gedenktag.
    • Eine regelmäßig wiederkehrende Illumination entspricht nicht den Kriterien für die Beleuchtung des Brandenburger Tores.
    • Die Kriterien sind öffentlich einsehbar (Verweis auf die Anordnung zur Illumination).
  • Damit lehnt die Senatskanzlei die Illuminierung des Brandenburger Tores zum nationalen Gedenktag ab.

    Diese Antwort zeigt erneut, dass zentrale Zeichen der öffentlichen Anteilnahme – wie die Illuminierung bedeutender Wahrzeichen – für den Nationalen Gedenktag bislang nicht vorgesehen sind. Trotz unseres Engagements für mehr Sichtbarkeit, bleibt die Umsetzung hierfür in Berlin aus.


  • VoT Germany-Brandenburger Tor in schwarz rot gold

  • VoT Germany-Rotes Rathaus Berlin

Foto: Rotes Rathaus, pixabay

Foto: Brandenburger Tor am 20.12.2016, pixabay


  • Auszug dem Inhalt der Illumierungsanordnung

    „Die Frage der Kriterien einer Illumination des Brandenburger Tors wird angesichts der erhöhten Intensität der Terrortätigkeit öffentlich diskutiert. Grundsätzlich gilt: Die Entscheidungskompetenz liegt beim Regierenden Bürgermeister. Auf seine Anordnung kann das Brandenburger Tor aus besonderem Anlass angestrahlt werden…“

  • Aus den fünf Punkten der Anordnung werden hier zwei exemplarisch dargestellt:

    • Ereignis terroristischer Natur. Dies schließt Unglücksfälle und sonstige Ereignisse wie Jahrestage etc. pp. grundsätzlich aus.
    • Weiterhin kann bei herausragenden Ereignissen von historischer, politischer und globaler Bedeutung mit unmittelbarem Bezug zu Berlin die Illumination vom Regierenden Bürgermeister angeordnet werden.

Link zur Illuminierungsanordnung des Brandenburger Tores:

Read more

Trotz unserer Bitte, die Entscheidung noch einmal unter dem Aspekt der Gleichbehandlung aller Terroropfer in Deutschland zu prüfen und nachvollziehbar zu begründen, kam die Senatskanzlei zu keinem anderen Ergebnis. In der Antwort heißt es, dass dem Anliegen weiterhin nicht entsprochen werden könne; dem staatlich festgelegten Gedenktag werde mit der Trauerbeflaggung ausreichend Rechnung getragen.

Wenn solche Zeichen ausbleiben, bleibt bei vielen Betroffenen das Gefühl zurück, dass ihre Erfahrungen und ihr Verlust im öffentlichen Raum nicht den Platz finden, den sie verdienen.

  • VoT Germany-Kerzenmeer – Symbol des Gedenkens und der Solidarität

  • VoT Germany-Mann blickt nachdenklich aus dem Fenster – emotionale Innenaufnahme

Fotos: unsplash

Internationale Solidarität leuchtet – der Nationale Gedenktag in Berlin nicht

  • Ein Blick ins Ausland zeigt, wie sichtbar andere Nationen ihre Solidarität mit Terroropfern ausdrücken. In Israel werden nationale Symbole regelmäßig illuminiert, um Betroffenen und Hinterbliebenen ein öffentliches Zeichen der Anteilnahme zu geben. Auch Frankreich setzt seit Jahren klare Zeichen: Am 13. November 2025 erstrahlte der Eiffelturm in Blau, Weiß und Rot erstrahlen – eine Hommage an die 130 Menschen, die bei den Anschlägen vom 13. November 2015 ihr Leben verloren. Die dreifarbige Beleuchtung findet sowohl am Vorabend als auch am Tag des Gedenktages statt und macht das Erinnern im Herzen von Paris unübersehbar. 

  • Deutschland hat bereits gezeigt, dass es sichtbare Zeichen der Anteilnahme setzen kann: Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz wurde das Brandenburger Tor am 20. Dezember 2016 in Schwarz‑Rot‑Gold beleuchtet. Dieses Beispiel könnte ein Vorbild dafür sein, auch am Nationalen Gedenktag allen deutschen und ausländischen Terroropfern, die hier betroffen wurden, ein öffentliches Zeichen der Verbundenheit zu widmen.

  • VoT-Germany-Brandenburger Tor in ukrainischen Farben

  • VoT Germany-Eiffelturm in französischen Farben bei Nacht – 10. Jahrestag des Gedenkens

Foto: Brandenburger Tor in den Nationalfarben der Ukraine, unsplash                                                              Foto: Der Eiffelturm in den französischen Nationalfarben, pixabay

Die Bedeutung sichtbarer Zeichen des Gedenkens zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Perspektive der international vom Anschlag vom 19. Dezember 2016 betroffenen Menschen einbezieht. Aus ihrer Sicht ist die Begründung des Landes Berlin „äußerst besorgniserregend“. Ein nationaler Gedenktag, so betonen sie, sei ein Akt der Ehrung und der Wahrung der Menschenwürde. Ihn als „mit Terrorismus verbunden“ zu problematisieren, verfälsche seinen Sinn. Das Erinnern an Opfer legitimiere niemals die Taten, sondern setze ein „moralisches Zeichen gegen Gewalt.“ Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Beleuchtung des Brandenburger Tores am 7. Oktober gezeigt habe, dass öffentliche Symbole sehr wohl genutzt werden können, um Verbundenheit auszudrücken – ohne Terror zu billigen. Wenn jedoch das Gedenken selbst als problematisch dargestellt wird, überschreitet dies aus dieser Perspektive eine ethische Grenze.

  • VoT Germany-Brandenburger Tor in Blau‑Weiß – Gedenkbeleuchtung für Israel am 7.10.2025

  • VoT Germany-Brandenburger Tor mit „Bring them home“ – Gedenkprojektion für Israel

Foto: Copyright Senatskanzlei Berlin/Münstermann

Obwohl der Nationale Gedenktag für Opfer von Terrorismus bewusst ohne Illumination des Brandenburger Tors begangen wird, setzt Berlin an anderen Tagen klare und sichtbare Zeichen der Solidarität. So wurde das Brandenburger Tor am 7. Oktober 2025 – dem zweiten Jahrestag des Angriffs der Hamas auf Israel – in Blau‑Weiß beleuchtet und mit der Botschaft „Bring them home now“ projiziert. Damit erinnerte die Stadt an das Schicksal der Geiseln, die sich noch immer in der Gewalt der Terrororganisation befinden.


Keine Antwort ist auch eine Botschaft

  • Auch auf Bundesebene blieben unsere Bemühungen ohne Ergebnis. Das Bundespräsidialamt erklärte sich für nicht zuständig, der Deutsche Bundestag reagierte trotz Nachfrage nicht, und ebenso wenig erhielten wir eine Rückmeldung von den Fraktionsvorsitzenden des Abgeordnetenhauses von Berlin. Für viele Betroffene ist dieses Schweigen schwer auszuhalten.

  • Wer Terror überlebt hat oder Angehörige verloren hat, weiß, wie sehr sichtbare Zeichen der Anteilnahme tragen können. Wenn unsere Anfragen nicht beantwortet werden, entsteht der Eindruck, dass die Anliegen der deutschen Terroropfer und ausländischen Betroffenen, welche hier Opfer wurden, im politischen Raum keinen festen Platz haben. Dieses Gefühl der Unsichtbarkeit begleitet uns seit Jahren – und es belastet, gerade an einem Tag, der ihnen gewidmet sein sollte.

VoT Germany-Enttäuschung zur negativen Entscheidung

Foto: Unsplash