La Belle – Gedenken zum 40. Jahrestag
Vierzig Jahre nach dem Anschlag erinnern wir am historischen Ort an die Opfer und Überlebenden

Foto: Zeilen von Überlebendem Gerry St. Smith, © VoT Germany
Begrüßung am historischen Ort
Am Ostersamstag, dem 4. April 2026, versammelten sich gegen 12 Uhr Betroffene, Überlebende, Angehörige, Ersthelfer, Wegbegleiter und Unterstützer am Gedenkort La Belle, um gemeinsam an den 40. Jahrestag des Anschlags zu erinnern. Bei sonnigem Wetter und einer hellen, ruhigen Stimmung entstand ein Moment des Innehaltens, der die Menschen würdigte, deren Leben durch die Ereignisse jener Nacht für immer verändert wurde.

Foto: Stimmungsvolle Atmosphäre in der Nähe des Gedenkortes am Ostersamstag 2026, © VoT Germany
Musikalischer Auftakt
Zu Beginn des Gedenkens wurde ein Song gespielt, welcher in der Nacht des Anschlags als letzter Titel in der Diskothek La Belle zu hören war. Der Klang trug die Atmosphäre, die Leichtigkeit und den Rhythmus dieses Abends – und stellte eine Verbindung zu dem Moment her, bevor der Anschlag alles veränderte.

Foto: Alberto Bigoni, Unsplash
Will we ever learn
Will we ever learn. Werden wir jemals lernen?
„…Sie tanzten, lachten, sie genossen die Nacht oder amüsierten sich. Ohne Vorwarnung änderte sich der Takt. Der dumpfe Druck einer Explosion zerschoss die Membran des Hörens der über 250 Gäste in der Discothek LaBelle. Der Atem des Herzens blieb stehen…“

Foto: Persönliche Zeilen zum Gedenken von der Überlebenden Katja D., © VoT Germany
Die Bedeutung des Erinnerns
Erinnern bedeutet, die Menschen hinter den Zahlen sichtbar zu machen, Leid anzuerkennen und Würde zu bewahren. Viele Betroffene haben über Jahrzehnte erfahren, wie schwer es war, Unterstützung für ein würdiges Gedenken zu erhalten. Dieses Gedenken setzte ein Zeichen dafür, dass Erinnerung nicht nur Pflicht ist, sondern ein Teil von Heilung und Verantwortung.
Heilung kennt keine Fristen – und Gedenken schafft Raum für Anerkennung, Sichtbarkeit und Verbundenheit.

Foto: Original Garderobenmarke aus der La Belle Discothek 1986 in Berlin, © VoT Germany
VoT Germany – Eine Stimme für Betroffene
Als Gründerin und Vorsitzende von VoT Germany führte Astrid Passin durch das Gedenken und setzte bewusst einen neuen Rahmen – sensibel, zugewandt und würdevoller als in vielen Jahren zuvor. In ihrer Ansprache erinnerte sie daran, wie schwer es für Betroffene über Jahrzehnte gewesen war, die notwendige Unterstützung zu erhalten.
Sie sagte, dass viele Überlebende und Angehörige Enttäuschungen erlebt hätten: frühere Jahrestage, die von Frust oder Desinteresse geprägt waren, Momente der Gleichgültigkeit und das Gefühl, vergessen worden zu sein. Diese Erfahrungen bedauerte sie zutiefst. Gleichzeitig setzte sie ein klares Zeichen für Veränderung:
Gedenken dürfe nicht als Pflicht verstanden werden.
„…Es braucht Institutionen, die Verantwortung übernehmen. Und es braucht die Bereitschaft, dem Anlass gerecht zu werden…“

Foto: Amerikanische Flagge, Unsplash
Viele Betroffene kamen an diesem Tag auch mit einer klaren Erwartungshaltung: dass der 40. Jahrestag des Bombenanschlags – bei dem zwei US‑Amerikaner und eine türkischstämmige Berlinerin getötet wurden und zahlreiche Menschen aus den USA und weiteren Ländern überlebten – die angemessene öffentliche Aufmerksamkeit erhalten würde. Trotz mehrfacher Anfragen an die zuständigen Institutionen, wie die amerikanische Botschaft in Berlin oder dem Auswärtigen Amt, blieb jedoch die notwendige Priorisierung aus. Man verwies auf fehlende Haushaltsmittel und andere Schwerpunkte. Für die Betroffenen war dies eine bittere Erfahrung.

Foto: Gedenkkranz zum 40. Jahrestag des La Belle Anschlags am 5. April 1986 in Berlin, © VoT Germany
Innehalten und Würdigung
Das Gedenken richtete sich an die Menschen, die ihr Leben verloren haben, an die Überlebenden, die bis heute mit den Folgen leben, und an die Familien, deren Alltag durch den Anschlag für immer verändert wurde.
Aus Respekt wurde bewusst darauf verzichtet, persönliche Bilder oder Geschichten ohne Einverständnis zu zeigen – ein Zeichen für Rücksicht, Sensibilität und Anstand.

Namen der Opfer
Im Rahmen des Gedenkens wurden die Namen der drei Menschen verlesen, die in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1986 ihr Leben verloren:
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- Kenneth T. Ford
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- James E. Goins
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- Nermin Hannay
Drei Betroffene legten anschließend drei Rosen in Herzform nieder und zündeten Kerzen an.

Foto: Gedenkkränze vor dem La Belle am Ostersamstag, zum 40. Jahrestag, © VoT Germany
Redebeiträge
Im Anschluss kamen Überlebende des Anschlags zu Wort:
- Heino Möhring
- Gerry Smith und
- Astrid Passin (Betroffene vom Berliner Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am 19.12.2016), Gastrednerin und Initiatorin der Gedenkveranstaltung von VoT Germany)
Ihre persönlichen Perspektiven, Erinnerungen und Gedanken gaben dem Gedenken Tiefe und machten sichtbar, wie weitreichend die Folgen des Anschlags bis heute sind.
„…Für mich war es vor allem schlimm, als ich da lag und alles runterfiel. Die GIs, die dort waren, fingen an, in den Trümmern nach Leuten zu suchen. Dabei wurde auch ich entdeckt…“

Foto: Überlebende des Anschlags mit Heino Möhring (re), © VoT Germany
Schweigeminute
In einer gemeinsamen Schweigeminute gedachten alle Anwesenden der Opfer und standen in Verbundenheit mit den Überlebenden und ihren Familien.

Foto: Lucas Alexander, Unsplash
Musikalischer Ausklang
Zum Abschluss erklang der Titel Ain’t Nobody – ein Stück, das den Stil und die Atmosphäre jener Zeit widerspiegelt und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart noch einmal spürbar machte.
Abschluss und Begegnung
Das Gedenken endete mit einem Dank an alle Anwesenden. Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum Austausch – ein Raum für Gespräche, Zuhören und gegenseitigen Halt. Für alle, die es wünschten, fand der Abend in einem gemeinsamen Besuch im Restaurant einen ruhigen Ausklang.

Foto: Betroffene und Pressevertreter am 4. April am Gedenkort vor dem La Belle, © VoT Germany

Opfer des Anschlags
VoT Germany hat dafür gesorgt, dass die vollständige Opferliste am Gedenkort öffentlich ist und würdig präsentiert wird – als Zeichen des Respekts, der Erinnerung und der Verantwortung gegenüber den Betroffenen und ihren Familien.
Damit wird ein Teil der Geschichte, der lange unsichtbar blieb, nun für alle wahrnehmbar und konnte in das Gedenken eingebunden werden.

Herausforderung transnationaler Gedenken
Wie bei anderen Gedenkformaten zeigte sich auch hier, wie schwierig es ist, dem türkischen Opfer des La‑Belle‑Anschlags ein würdiges Gedenken zu ermöglichen. Häufig sind Familien nach so vielen Jahren nicht mehr erreichbar – nicht nur aufgrund der langen Zeitspanne, sondern auch, weil es oft keine verlässlichen Wege gibt, entsprechende Informationen ausfindig zu machen.
Trotz mehrfacher Bemühungen und Anfragen an die türkische Botschaft blieb eine Rückmeldung aus, was sehr bedauerlich ist. Gerade eine Zusammenführung der Betroffenen unterschiedlicher Nationalitäten kann eine besondere Kraft entfalten und Verbundenheit schaffen.
VoT Germany setzt genau hier an: Wir möchten diese Situationen künftig erleichtern, Strukturen verbessern und Wege schaffen, damit transnationales Gedenken möglich wird – respektvoll, zugänglich und miteinander.
Grußworte aus Frankreich
„VoT Allemagne commémore aujourd’hui le 40ᵉ anniversaire de l’attentat contre la discothèque La Belle. Au nom de la Fédération française des victimes du terrorisme, je souhaite vous exprimer notre solidarité à cette occasion..“
„VoT Germany gedenkt heute des 40. Jahrestages des Anschlags auf den Nachtclub La Belle.
Im Namen des französischen Verbandes der Terrorismusopfer möchte ich Ihnen zu diesem Anlass unsere Solidarität aussprechen…“

Foto: Gedenktafel an der Hausfassade des Gebäudes, in dem sich damals die Discothek La Belle befand, © VoT Germany

Kranzniederlegung vom Bezirksbürgermeister
Zum 40. Jahrestag des Anschlags auf „La Belle“ legte Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann vor der offiziellen Gedenkstunde einen Kranz nieder. Er erinnerte an die Opfer und Verletzten.

Foto: Gedenkkranz vom Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann zum 40. Gedenktag, © VoT Germany
„…Gerade heute, in einer Zeit, in der wir weltweit mit Konflikten, Terror und Polarisierung konfrontiert sind, bleibt die Erinnerung von besonderer Bedeutung…“

Foto: Überlebende des Anschlags bei der Gedenkzeremonie, © VoT Germany
„…We remember today and always those lives taken, their families, and the survivors who live with the memories every day of this horrific attack. They will never be forgotten…“
Foto: Rede von Astrid Passin zum Gedenken (1), © VoT Germany
Foto: Rede von Astrid Passin zum Gedenken (2), © VoT Germany

Foto: Original Button der La Belle Discothek aus dem Jahr 1986, © VoT Germany

Foto: Betroffene mit Astrid Passin am 4. April am Gedenkort vor dem La Belle, © VoT Germany

Foto: Überlebender des La Belle Anschlags Gerry Smith vor der Gedenktafel in Berlin, © VoT Germany

Foto: Staffelei mit dem Fotorahmen, in dem die Opfer des Anschlags benannt wurden, © VoT Germany
Diese kleine Karte wurde an der Gedenktafel hinterlegt. Sie ist eine stille, aber berührende Geste. Sie zeigt, dass Menschen Anteil nehmen und den Betroffenen ihre Verbundenheit ausdrücken. Solche Zeichen kommen genau dort an, wo sie gebraucht werden. Ganz herzlichen Dank!
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Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts.







