München: Olympia – Attentat
Anton Fliegerbauer: Das einzige deutsche Opfer des Olympia-Attentats
Anton Fliegerbauer war das einzige deutsche Opfer des Olympia-Attentats von 1972. Er wuchs auf einem Bauernhof im niederbayerischen Westerndorf auf. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung trat er 1958 in den Polizeidienst ein. Über Landshut kam er 1964 als Polizeihauptwachtmeister nach München. Am 5. September 1972 hatte der 32-Jährige eigentlich Urlaub, um mit seiner Frau Maria und dem vierjährigen Sohn Alfred in seine Heimat zu fahren. Obwohl er kurz zuvor bei einem Demonstrationseinsatz leicht verletzt worden war, wurde der treffsichere Polizist nach der Geiselnahme nachgefordert und am Abend auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck eingesetzt.
Anton Fliegerbauer Stiftung
Zur Erinnerung an den beim Olympia-Attentat 1972 getöteten Münchner Polizeibeamten Anton Fliegerbauer gründeten die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Landeshauptstadt München und sein Sohn Dr. Alfred Anton Fliegerbauer im Jahr 2024 die
„Anton Fliegerbauer Kinderstiftung“
Alle Informationen & Projekte findest Du unter: [LINK]

Der Terrorüberfall im Olympiadorf
Am Morgen des 5. September 1972 drangen acht palästinensische Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ in das Olympische Dorf in München ein. Sie überraschten die israelische Mannschaft im Schlaf. Ringertrainer Moshe Weinberg und Gewichtheber Yossef Romano leisteten Widerstand und wurden umgehend erschossen. Neun weitere Israelis wurden als Geiseln genommen. Die Terroristen forderten die Freilassung hunderter Gesinnungsgenossen. Israel lehnte Verhandlungen ab.
Das Versagen der deutschen Behörden
München 1972 sollte das Gegenbild zu den Spielen von 1936 unter Hitler sein: friedlich, offen und ohne sichtbare Härte. Die Sicherheitsvorkehrungen waren minimal. Ein Hilfsangebot Israels, geschulte Spezialeinheiten zu entsenden, lehnte die Bundesregierung ab.
Der Befreiungsversuch auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck geriet zum Desaster: Die deutschen Einsatzkräfte waren unzureichend vorbereitet, schlecht ausgerüstet und kannten die genaue Zahl der Attentäter nicht.
Das blutige Ende in Fürstenfeldbruck
Als der Hinterhalt missglückte, exekutierten die Terroristen die im Hubschrauber gefesselten Geiseln mit Handfeuerwaffen und Handgranaten. Alle neun Geiseln sowie ein deutscher Polizist starben. Fünf Terroristen wurden getötet, drei festgenommen. Fälschlicherweise meldeten Medien zunächst eine erfolgreiche Befreiung, bevor Sportreporter Jim McKay die bittere Wahrheit verkündete: „They’re all gone.“
„Diese Bilder kann ich nicht vergessen“
Quelle: Hallo‑München – Gedenken an das Olympia‑Attentat von 1972, veröffentlicht am 05. Sept.2026
Logo der XX. Olympischen Sommerspiele München 1972
Freilassung und Fortführung der Spiele
Nur sechs Wochen später entführten Terroristen eine Lufthansa-Maschine. Die Bundesregierung gab nach und tauschte die drei inhaftierten Attentäter aus. In Libyen wurden sie als Helden empfangen.
Trotz der Ermordung von elf israelischen Athleten und Betreuern wurden die Olympischen Spiele nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt. Zehn arabische Staaten weigerten sich sogar, ihre Flaggen als Zeichen der Trauer auf Halbmast zu senken. 27 Jahre nach dem Holocaust starben erneut Juden auf deutschem Boden – und das Sportereignis ging weiter.

Einzelschicksal im Gesamtkontext
Sein Name steht untrennbar neben denen der elf israelischen Geiseln, die der Terroranschlag aus dem Leben riss:
David Berger
Ze’ev Friedman
Yossef Gutfreund
Eliezer Halfin
Yossef Romano
Amitzur Shapira
Kehat Shorr
Margarit Shuster
Mark Slavin
Andre Spitzer
Yakov Springer
Moshe Weinberg
Herkunft & Werdegang
Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Westerndorf (Niederbayern), zunächst landwirtschaftliche Ausbildung, 1958 Eintritt in die Polizei (Dienststationen: Landshut, ab 1964 Polizeihauptwachtmeister in München).
Ausgangslage am 5. September 1972
Fliegerbauer hatte Urlaub geplant, um mit Frau Maria und Sohn Alfred (4) nach Niederbayern zu fahren. Zudem war er von einem vorherigen Einsatz leicht verletzt.
Einsatz beim Attentat
Aufgrund seiner Qualifikation als guter Schütze wurde der 32-Jährige nach der Geiselnahme im Olympischen Dorf zum Dienst gerufen und am Abend am Flugplatz Fürstenfeldbruck eingesetzt.
Historische Einordnung
Er starb im Rahmen des Olympia-Attentats als einziger deutscher Polizist.
Digitaler Erinnerungsort
Fliegerhorst Fürstenfeldbruck
Wo genau?
Digital im Web sowie als interaktive App vor Ort auf dem Gelände des Fliegerhorsts Fürstenfeldbruck. Da das Militärgelände der Bundeswehr für die Öffentlichkeit nur eingeschränkt zugänglich ist, wurde der Ort virtuell erfahrbar gemacht.
Was ist das?
Eine Web-Plattform sowie die AR-App „Erinnerungsort 72“ (für iOS und Android). Sie bietet 360-Grad-Panoramen, Zeitzeugenberichte, historische Dokumente und 3D-Rekonstruktionen des Scheiterns der Befreiungsaktion.
Eröffnung / Online-Start:
September 2022 (zum 50. Jahrestag).
Landratsamt Fürstenfeldbruck
Offizielle Stadt München
Gedenkstätte für die zwölf Opfer des Terroranschlags bei Olympia 1972
www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/bauwerke-und-denkmaeler/erinnerungsort-olympia-attentat-1972

Foto: BR / Sandra Ilmocini – Gedenkveranstaltung zum Olympia‑Attentat 1972, München, 4. September 2026
Eine direkte offizielle Pressemitteilung der Bundesregierung speziell für den 54. Jahrestag 2026 liegt derzeit nicht vor. Allerdings steht das Gedenken an das Olympia-Attentat von 1972 seit einigen Jahren im Rahmen eines zentralen Beschlusses der Bundesregierung
- Historikerkommission zur Aufarbeitung: Zum 50. Jahrestag (2022) hat die Bundesregierung im Einvernehmen mit den Opferfamilien das Konzept „Aufarbeiten. Erinnern. Anerkennen“ vereinbart.
- Laufendes Forschungsprojekt: Im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI) arbeitet seit 2023 eine internationale Kommission aus Historikerinnen und Historikern an der umfassenden Aufarbeitung der Ereignisse sowie der Versäumnisse der deutschen Behörden. Die Veröffentlichung der Gesamtergebnisse ist als Abschlussbericht geplant.
Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts.
