
Ort: Brüssel
Zehn Jahre Brüssel: Die Folgen enden nicht mit dem Anschlag
Am Sonntagmorgen begannen die offiziellen Gedenkfeiern genau zu dem Zeitpunkt, an dem vor zehn Jahren die drei Attentäter ihre Sprengsätze zündeten – zwei am Flughafen und einer in einer überfüllten U‑Bahn. Das Programm wurde von der Brussels Airport Company, der STIB und dem FÖD Kanzlei des Premierministers in enger Abstimmung mit den Opferverbänden Life for Brussels und V‑Europe entwickelt.
Bei der Gedenkfeier sprach König Philippe vor den zahlreichen Menschen, die sich am Denkmal für die Opfer versammelt hatten. Gemeinsam mit Königin Mathilde und Premierminister Bart De Wever hörte er den Überlebenden zu, die von den erschütternden Momenten jenes Morgens berichteten.
Ein Jahrzehnt nach den Anschlägen von Brüssel wird sichtbar, wie viele Menschen noch immer unter den unsichtbaren Wunden leiden. Einige Opfer wurden erst Jahre später als solche anerkannt – zu spät, um ihnen zu helfen. Die jüngsten Entwicklungen machen deutlich, dass Opferrechte in Europa weiterhin unzureichend geschützt sind.

Foto: An der Gedenkstelle für Opfer von Terrorismus in Brüssel, V-Europe

Foto: Philippe Vansteenkiste (Direktor von V‑Europe) spricht auf der Bühne am Mahnmal während der Gedenkzeremonie, V-Europe
Wenn Anerkennung zu spät kommt
Wie die Zeitung Le Monde berichtet, kämpfen einige Opfer noch immer darum, dass ihre körperlichen und psychischen Spätfolgen offiziell festgestellt werden – eine Voraussetzung für Entschädigungen und langfristige Unterstützung.
„Zehn Jahre nach den Angriffen beklagen einige Opfer, dass ihre körperlichen oder psychischen Nachwirkungen noch nicht erkannt werden konnten, was ihr Recht auf Entschädigung einschränkt. Neben den 32 direkten Todesfällen sind seit den Angriffen vier weitere Menschen gestorben, traumatisiert durch die Ereignisse. Katarina Viktorsson, deren Mutter am Flughafen getötet wurde, beging vor einigen Wochen Selbstmord und wurde am Sonntag als 36. Opfer dieser Anschläge von 2016 anerkannt.“
Video von der Gedenkzeremonie am Flughafengelände in Brüssel zum 10. Jahrestag der Anschläge. Zu sehen ist ein Chor, der an der Gedenktafel für die Opfer von Terrorismus singt, V-Europe

Foto: Gedenkbegegnung am Flughafen Brüssel – Königspaar im Gespräch mit Überlebenden und Angehörigen des Anschlags
Deutsche Perspektive auf die Anschläge von Brüssel
Lars Waetzmann verlor bei den Anschlägen in Brüssel seine Frau. Viele Jahre später sprach er im SWR‑„Nachtcafé“ offen darüber, wie er mit diesem Verlust lebt und welchen Weg er durch die Trauer gefunden hat. Seine Worte zeigen eindrücklich, wie tief die Folgen eines Terroranschlags in das Leben der Hinterbliebenen eingreifen. Die Sendung ist weiterhin öffentlich zugänglich.
Die Sendung heißt „Wie wir Hoffnung schöpfen“ (Erstausstrahlung: 29.03.2024). Lars Waetzmann ist dort als Gast eingeladen und spricht über seinen Weg durch die Trauer nach den Anschlägen in Brüssel.

Foto: Lars Waetzmann, , dessen Frau bei den Anschlägen in Brüssel 2016 ums Leben kam, VoT Germany

